Sport bei Arthrose –
richtig trainieren trotz Gelenkschmerzen

Sebastian Stemmler – der Therapieleiter im Medical Park Prien und Medical Park Chiemsee – erklärt, wie man trotz Arthrose trainieren kann, wie sich eine erfolgreiche Reha nach einer Arthrose-OP gestaltet und auf was man achten sollte, um gelenkschonend den eigenen Alltag zu bestreiten.

Eine beginnende Arthrose kann besonders für sportliche Menschen, die sich fit und aktiv fühlen, eine starke Verunsicherung bedeuten. Was tun, wenn aufgrund zunehmender Gelenkschmerzen nicht mehr wie gewohnt trainiert werden kann? Muss diese Situation einfach hingenommen werden?

Sebastian Stemmler, Therapieleiter im Medical Park Prien Kronprinz  und Medical Park Chiemsee findet: „Keinesfalls.“ Ein Verzicht auf das gewohnte Training und die gewohnte Bewegungsfreiheit käme dem Aufgeben gleich. Etwas, das für den engagierten Medical Park Therapeuten und auch für seine Patienten keine Option darstellt.

Sport
trotz Arthrose

Was tun bei Gelenkschmerzen?

Treten Schmerzen beim Sport oder im Alltag auf, sollten diese natürlich zuallererst ärztlich abgeklärt werden. Die Ursache für den Schmerz zu bestimmen, ist für die weitere Behandlung und das mögliche Sportpensum entscheidend.

Anschließend sollte man so aktiv wie nur irgendwie möglich bleiben. Dabei darf allerdings nicht nach der Logik „viel hilft viel“ vorgegangen werden – das Training sollte sich stets im schmerzfreien Bereich abspielen. Dies kann bedeuten, dass Trainingsgewohnheiten umgestellt werden müssen, um Belastungen anzupassen. Ein Beispiel: Wird Joggen durch die Stoßbewegung ins Gelenk zu schmerzhaft, kann ein Wechsel zum Nordic Walking ratsam sein und Abhilfe schaffen.

Nordic Walking mit Arthrose

Die besten Sportarten
bei Arthrose

So können Sie aktiv bleiben

Regelmäßige Bewegung setzt immer positive Reize. Bei Arthrose und Gelenkschmerzen ist es also nicht notwendig, das Training komplett einzustellen. Im Gegenteil: Aktiv zu bleiben, ist gut für den gesamten Körper.

Folgende Sportarten können trotz Arthrose gut funktionieren:

  • Nordic Walking
    Hierbei wirken im Gegensatz zum Joggen keine harten Stoßbewegungen auf die Gelenke.
  • Radfahren
    Auch hier werden Stöße vermieden und die Belastung kann individuell gesteuert werden, so dass mit geringer Intensität aber hoher Frequenz in einem den Stoffwechsel anregenden Bereich trainiert werden kann.
  • Wassergymnastik und Aquajogging
    Durch die Gewichtsreduktion, die durch den Auftrieb des Wassers bedingt ist, reduziert sich die Belastung auf die Gelenke erheblich.

Diese Sportarten sollten bei Arthrose vermieden werden

Allgemein sollten alle Sportarten, die Schmerzen provozieren, überdacht werden. Meist trifft dies auf Sportarten mit Stoßbewegungen zu. Abzuraten ist generell von Sprung- und Ballsportarten. Dazu zählen Volleyball, Handball, Basketball oder auch Fußball. Da man auf Ball oder Gegenspieler fokussiert ist, schwingt hierbei immer die Gefahr mit, die notwendige Achtsamkeit zu vernachlässigen. Durch Mit- und Gegenspieler auf dem Feld ist außerdem die Gefahr der Verletzung stark erhört.

Übungen
bei Arthrose

So halten Sie sich im Alltag fit

Auch zwischen der Diagnose „Arthrose“ und einer OP kann durch Übungen und Training viel dazu beigetragen werden, der Behandlung besser vorzubeugen und im Anschluss schneller zu gesunden.

Ein Zeichen der Arthrose ist beispielsweise das Aufkommen von Bewegungseinschränkungen. Durch Dehnen und Stretching kann jedoch die natürliche Beweglichkeit des Gelenks erhalten werden. Dadurch wird auch der Gewebetonus angeregt und aufgebaut. Je aktiver Patienten hier sind, desto einfacher wird es, auch nach einer Operation, Beschwerden schnellstmöglich wieder abzubauen und sich zu mobilisieren.

Das Zauberwort heißt Geduld – das gebe ich jedem Patienten vor Beginn der Behandlung mit.

Sebastian Stemmler, Therapieleiter im Medical Park Prien am Chiemsee

Reha nach einer
Arthrose-OP

So läuft die Arthrosebehandlung

  1. Die Reha beginnt mit der ärztlichen Aufnahme, in welcher der behandelnde Arzt alle Informationen, wie zum Beispiel Operationsbericht, Röntgenbilder und Arztberichte zusammenträgt und den Therapieplan auf dieser Basis zusammenstellt.
  2. Arthrose-Patienten sollten sich derweil zu Beginn der Reha die Frage stellen, wo sie nach Abschluss der stationären Maßnahme (in drei Monaten) stehen möchten. Wichtig ist eine Selbstständigkeit in den Tätigkeiten des täglichen Lebens zu erreichen. Diese soll nach Abschluss der stationären Maßnahme gewährleistet sein  (wieder aktiv Sport betreiben, auf den Berg gehen oder Skifahren). So kann ein mögliches Ziel z. B. das Durchführen längerer Spaziergänge ohne Hilfsmittel 4 Wochen nach der Operation sein.  Oder stellt bereits das Erreichen der eigenen Wohnung im vierten Stock über das Treppenhaus eine Herausforderung dar? Einen festen Reha-Ablauf im stationären Bereich bei Medical Park gibt es also nicht, es werden gemeinsam Ziele definiert, die im Verlauf der Reha erreicht werden sollen.
  3. Ein Therapeut ist im Anschluss dafür verantwortlich, die Übungen zusammenzustellen, die zum Erreichen der im Therapieplan definierten Ziele notwendig sind. Hierbei wird gezielt auf die Bedürfnisse der Patienten eingegangen und die Übungen individuell an die vorliegenden Einschränkungen und Defizite angepasst. Weiterhin dokumentiert der Therapeut den Therapieverlauf um damit sicherzustellen, dass der Patient während der Therapie stets auf dem richtigen Weg ist und um im Zweifelsfall korrigierend eingreifen zu können.

Beispiel für einen Übungsplan:

  • In der ersten Woche der Reha findet eine Fokussierung auf die Stabilität des Gelenkes statt.
  • In der zweiten Woche übt der Patient Ausdauer.
  • In der dritten Woche wird die Technik der richtigen Bewegungsabläufe vermittelt und verfeinert.
Stretching bei Arthrose

Sport
nach der Reha

Übungen für den Alltag

Während ihrer Reha lernen Arthrose-Patienten zahlreiche Übungen kennen, die auch zuhause angewendet werden können und sollen!

Für die Zeit nach der Reha unterstützt ein entsprechendes Trainingshandbuch dabei, das Training auch selbstständig durchzuführen. Teilweise sind Übungen auch anhand von Videos dokumentiert, um den Bewegungsablauf genauer nachvollziehen zu können.

Nach vier bis fünf Wochen sollte ein erneutes Anpassen des Übungsplans erfolgen. Es ist ratsam, nach dieser Zeit einen Therapeuten aufzusuchen, um Intensivität und Durchführung der Übungen an die neue, verbesserte Konstitution anzupassen.

Patienten sollten allerdings nicht davon ausgehen, dass durch den Reha Aufenthalt „die Uhr drei bis vier Jahre zurückgedreht worden ist“. Ein großer Teil der Arbeit von Therapeuten liegt laut Sebastian Stemmler darin, die Patienten zu motivieren, auch in Zukunft körperlich aktiv zu bleiben und das Körpergefühl zu verbessern. Dies sei die Grundlage dafür, um nach einer Arthrosebehandlung möglichst lange Spaß am neuen Gelenk und am Sport zu haben.

Dieser Artikel entstand mit beratender Unterstützung von Sebastian Stemmler, Therapieleiter im Medical Park Chiemsee und Prien Kronprinz.

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