Sport mit Gelenkprothese Reha
Sport mit Gelenkprothese

Sport mit
einer Gelenk-Prothese

Ehemaliger Olympionike, 22-facher Deutscher Meister und Bestsellerautor: Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage weiß, wie er Menschen nach einer Knie- oder Hüft-OP Schritt für Schritt wieder Freude an der Bewegung zurückgibt. Das gilt für den Alltag ebenso wie für den Sport mit einer Gelenkprothese.

Knie- oder Hüft-OP:
wieder schmerzfrei beim Sport

Wenn Bewegung zur Belastung wird

Viele Patienten, die eine Gelenkprothese erhalten haben, verbindet eine ähnliche Geschichte: Mit der Zeit mussten sie einen großen Teil ihrer körperlichen Fähigkeiten und ihres Bewegungsniveaus einbüßen – so lange bis eine Operation unumgänglich wurde. Im Anschluss an einen solchen Eingriff ist der Patient zunächst geschwächt und befindet sich im Unklaren darüber, wie es weitergeht. Viele Fragen drängen sich auf: Werde ich wieder alleine einkaufen gehen können? Problemlos Auto fahren? Wie werde ich meinen Alltag meistern?

Prof. (DHfPG) Dr. Wessinghage steht Patienten an dieser Stelle mit seiner ganzen Erfahrung zur Seite – nicht nur als Mediziner, sondern auch als erfolgreicher Läufer: „Ich war immer ein etwas anderer Arzt. Ich habe mich in den 20 Jahren meiner leistungssportlichen Karriere zwangsläufig intensiv mit dem menschlichen Körper und seinen Reaktionen auf verschiedene Einflussnahmen beschäftigt – insbesondere mit denen körperlicher Aktivität.“ Auf Basis dieses breiten Erfahrungsschatzes vermittelt er wertvolle Tipps, um den Heilungsverlauf jedes einzelnen Patienten individuell zu fördern.

Dank Gelenkprothese
zu neuer Bewegungsfreiheit

In der Reha in kleinen Schritten ans Ziel

Nach einer Knie- oder Hüftoperation ist es zunächst wichtig, sich die Mobilität im Alltag wieder zu erarbeiten. Die Ziele dafür können sehr konkret sein, zum Beispiel die eigenen Treppen zu bewältigen oder den Weg zum nächsten Supermarkt zu meistern. Diese auf den ersten Blick scheinbar banalen Aufgaben stellen gleichermaßen Herausforderungen wie Trainingsmöglichkeiten dar: Schafft man es in der Reha, eine Etage am Stück zu gehen, so kann das längerfristige Ziel lauten, viermal vier Etagen am Stück ins Auge zu fassen.

Moderne Knie- oder Hüftprothesen sind allerdings keine Sportgelenke sondern Gelenkprothesen für mehr Lebensqualität im Alltag. Sie dienen dem Zweck, mehr Mobilität zu gewährleisten, von Schmerzen zu befreien und eine selbständige Bewältigung des Alltags zu ermöglichen. Körperliche Betätigung wird durch die neuen Gelenke ermöglicht und ist gleichzeitig einer der wichtigsten Voraussetzungen, ihre Funktion langfristig zu sichern.

Prof. (DHfPG) Dr. Wessinghage kann auf individuelle Anforderungen bei der Trainingsplanung eingehen, die der aktuellen Lebenssituation des Patienten angepasst ist: „Trainingsmethodik an sich ist kein Teil des Medizinstudiums. Ich habe das aber als Leistungssportler jahrzehntelang von A bis Z durchexerziert und konnte dabei feststellen, was funktioniert – und was nicht.“

Mit einer Knie- oder Hüftprothese
fit bleiben

Das beste Rezept nach der Reha: ausreichend Bewegung

Wir bewegen uns im Alltag tendenziell zu wenig – deshalb ist es unverzichtbar, körperliche Aktivitäten genau dort zu integrieren. „Einfach mal die Treppe zu nehmen statt des Aufzugs“ lautet da die Devise, um auch mit einer Gelenkprothese fit zu bleiben. Hier gilt: Der Schritt von „Ich mache gar nichts“ zu „Ich bewege mich täglich ein bisschen“ ist bereits mit einem sehr hohen gesundheitlichen Benefit verbunden. Signifikante Verbesserungen lassen sich bereits mit 10 bis 15 Minuten Spazierengehen pro Tag erzielen – zum Beispiel bei einer täglichen Runde mit dem Hund.

Wessen Ehrgeiz geweckt ist, der kann auch seine sportlichen Ambitionen weiter verfolgen. Prof. (DHfPG) Dr. Wessinghage rät allerdings zum vernünftigen Maß: Dreimal pro Woche eine halbe Stunde Lauftraining ist in seinen Augen ein realistischer Rahmen, um die Überbelastung eines Kunstgelenks zu vermeiden. Die Bewegung mit dem neuen Knie oder der neuen Hüfte dient vorrangig der eigenen Gesundheit und nicht dem Ziel, einen Marathon zu laufen.

Kontinuierlicher Belastungsaufbau führt zu einem fortlaufenden Anstieg der körperlichen  Leistungsfähigkeit. Je weiter man das Training steigert, desto besser werden auch die gesundheitlichen Effekte sichtbar. Die Zuwachsrate ist am Anfang naturgemäß höher und flacht mit der Zeit ab – das ist ganz normal. Für den Prothesenpatienten sind zwei bis zweieinhalb Stunden körperlicher Aktivität pro Woche das Optimum zwischen Aufwand und Wirkung. Weitere Steigerungen bringen eher Gefahren als Nutzen.

Ab drei Stunden Training pro Woche sollte man kritisch hinterfragen, ob noch mehr Aufwand dem Körper noch gut tut.

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage, Ärztlicher Direktor und Facharzt für Orthopädie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Sportmedizin, Medical Park St. Hubertus/Medical Park am Kirschbaumhügel in Bad Wiessee

Krafttraining mit Gelenkprothese
Gerätetraining mit Gelenkprothese
Wassergymnastik mit Prothese

Ausdauer- und Krafttraining
mit Gelenkprothese

Nur ein ausgewogenes Training ist auf Dauer effektiv und gesund

Aus Erfahrung weiß Prof. (DHfPG) Dr. Wessinghage aber auch: Gerade begeisterte Ausdauersportler neigen dazu, das Krafttraining häufig zu vernachlässigen. Mit fortschreitendem Alter wird die Bedeutung ausreichender Muskelkraft zu einem immer wichtigeren Faktor. Die Vorzüge einer starken Muskulatur liegen auf der Hand: Rücken- und Gelenkstabilisierung (auch und gerade nach einer Prothesenimplantation), Osteoporosevorbeugung und gute Belastbarkeit im Alltag lassen sich durch Krafttraining signifikant und nachhaltig verbessern.

Muskeln baut man allerdings nicht durch exzessives Ausdauertraining auf. Ab einem gewissen Aktivitätsniveau ist es empfehlenswert, das Pensum nicht noch einmal um eine zusätzliche Stunde Walking zu erweitern, sondern stattdessen lieber an 2-3 Tagen 15 bis 20 Minuten Krafttraining hinzuzunehmen. Das kann im Fitness-Studio stattfinden, aber nach entsprechender Anleitung auch in den eigenen vier Wänden mit einfachen Hilfsmitteln (z.B. Thera-Band, Wasserflasche). Oder anders gesagt: Viele Menschen, die subjektiv fit sind, entwickeln Defizite, indem sie zu einseitig trainieren.

Mit Ausdauertraining lebt man länger. Mit Krafttraining besser.

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage, Ärztlicher Direktor und Facharzt für Orthopädie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Sportmedizin, Medical Park St. Hubertus/Medical Park am Kirschbaumhügel in Bad Wiessee

Übung für zu Hause:
Kniebeugen

Experten-Tipp für eine kräftige Muskulatur

Was kann man zu Hause tun, um seine Muskeln zu kräftigen? Prof. (DHfPG) Dr. Wessinghage empfiehlt eine einfache und besonders effektive Übung: die Kniebeuge, auf Englisch Squats genannt. Technisch richtig durchgeführt, handelt es um eine Ganzkörperübung. Über die Hälfte der gesamten Muskelmasse des Körpers wird dabei aktiviert und gestärkt. Hierzu gehören unter anderem die vordere und hintere Oberschenkelmuskulatur, die Gesäßmuskulatur, nicht zuletzt die Rücken-, Bauch- und Wadenmuskeln..

Das Kniegelenk profitiert ganz besonders von korrekt ausgeführten Kniebeugen: Die Übung stärkt im Besonderen die benachbarte Ober- und Unterschenkelmuskulatur und damit die Führung des Kniegelenks, die sog. Kinematik. Bevor Sie mit Kniebeugen beginnen, sollten Sie allerdings Rücksprache mit Ihrem Orthopäden oder Physiotherapeuten halten. Darüber hinaus lohnt sich ein guter Trainer (z.B. in einem Fitnessstudio), der die Bewegungsausführung optimieren und passende Steigerungen bei Gewicht und Wiederholungsanzahl vorschlagen kann.

Auf jeden Fall lohnt es sich, bei der Stange zu bleiben: „Der Trainingserfolg hängt insbesondere von der regelmäßigen Durchführung und graduellen Belastungssteigerung ab“, Prof. (DHfPG) Dr. Wessinghage. Wenn Sie konsequent an Ihrer Muskulatur arbeiten, wirkt sich das positiv auf die gesamte Lebensqualität aus. Damit sehen Sie nicht nur fitter aus, sondern können auch positiv in die Zukunft blicken.

Kniebeugen mit Gelenkprothese

Dieser Artikel entstand mit beratender Unterstützung von Prof. (DHFPG) Dr. med. Thomas Wessinghage, Chefarzt Orthopädie im Medical Park Bad Wiessee.

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