Skirennfahrer Thomas Dreßen
Skirennläufer Thomas Dreßen

Reifeprüfung für
Skirennläufer Thomas Dressen

Streif-Gewinn, Dritter des Abfahrtsweltcups, Achter im Gesamtweltcup: Thomas Dreßen war drauf und dran die Verhältnisse in den Speed-Disziplinen auf den Kopf zu stellen. Dann stürzte der Skistar zum Auftakt in die vergangene Saison schwer, erlitt Verletzungen an Knie und Schulter. Im Medical Park St. Hubertus am Tegernsee findet Dreßen nicht nur zurück zu alter Stärke, sondern lernt sie sogar noch besser einzusetzen. 

Reha-Pause statt Piste
Shooting-Star erholt sich nach Verletzung

Anfang März, die Sonne scheint, der Schnee glänzt. Normalerweise kriegt man Thomas Dreßen bei diesen Bedingungen für ein Interview nur schwer zu fassen. Schon gar nicht tagsüber zu bester Trainingszeit und das auch noch vor den letzten Rennen der Saison. Aber normal war dieser Winter nicht. Genauso wenig wie der vorangegangene, in dem Dreßen als erster deutscher Abfahrer nach 39 Jahren das legendäre Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel gewann. Entsprechend groß waren die Erwartungen in der folgenden Saison 2018/19, nicht zuletzt seine eigenen. Noch größer war dann die Enttäuschung, als sich der Shootingstar der alpinen Skiszene gleich im ersten Rennen schwer verletzte. Und so findet das Gespräch nicht in einem hochgelegenen Skiresort statt, sondern am Tegernsee: im Restaurant des Medical Park St. Hubertus in Bad Wiessee, wo Dreßen im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine kommt.

Der Star des Deutschen Skiverbands (DSV) ist guter Laune und auch sonst deutet auf den ersten Blick nichts auf den folgenschweren Sturz hin. Die Krücken sind weg, der Gang ist schon wieder rund. Tatsächlich aber steht der 25-Jährige seit einigen Monaten vor der wohl größten Herausforderung seiner noch jungen Sportlerkarriere. 

Skirennläufer Thomas Dreßen
Skirennläufer Thomas Dreßen
Skirennläufer Thomas Dreßen

Sturz bei 100 Stundenkilometern
Kreuzband durch, Schulter raus

Am 30. November 2018 stürzt der gebürtige Garmisch-Partenkirchener auf der Abfahrt im US-amerikanischen Beaver Creek schwer, reißt sich das vordere Kreuzband und verletzt sich an der Schulter. Die Saison ist für ihn beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Doch Dreßen wäre nicht Dreßen, wenn er nicht auch der Misere etwas Positives abgewinnen würde. Im aktuellen Genesungsprozess hält er jedenfalls schon wieder Kurs auf Bestzeit, was nicht zuletzt auch am Gesamtpaket vom Haus St. Hubertus liegt. 

32 %

aller Verletzungen beim Skifahren betreffen das Knie, gefolgt von der Schulter (18,4%)

Wohlfühlambiente und
tückische Gymnastikrollen

„Training, Therapie, essen, schlafen – alles unter einem Dach. Hier zu sein könnte sich wie Urlaub anfühlen, wenn nur die Verletzung nicht wäre. Das ist schon super hier“, schwärmt der Rekonvaleszent. Besonders beeindruckt zeigt sich Dreßen von Sporttherapeut Klaus Remuta und seinen Kollegen, die ihn nach der erfolgreichen Knie-OP sport- und physiotherapeutisch betreuen. „Was ich auf jeden Fall mitnehmen werde, ist der Trainingsansatz von Klaus.“ Das bedeute vor allem mehr Übungen, die auf Koordination und Stabilität hinzielen und für die im straff getakteten Trainingsalltag sonst kaum Platz sei, erzählt Dreßen. Fokus auf ein ganzheitliches Körpergefühl statt pure Kondition bolzen. Das klingt zunächst nach der entspannteren Variante des Sporttreibens. So ist es aber nicht. „Manche Übungen von Klaus sehen zwar einfach aus, aber es ist brutal schwer, sie überhaupt ein zweites Mal zusammenzubringen. Bei einer Übung liegst du mit dem Rücken auf einer Rolle, streckst ein Bein in die Luft und sollst dann auch noch Sit-ups machen.“ Die Verwunderung über die simple und doch so fordernde Versuchsanordnung ist Dreßen immer noch anzumerken. Und wer jetzt denkt: auf einer Rolle rumturnen, das kann doch nicht so schwer sein, der versuche es selbst.

Ich werde von hier viel mitnehmen, vor allem von Klaus, der mir einen neuen Trainingsansatz vermittelt hat.

Thomas Dreßen

Maßgeschneiderte Therapie

„Mit Thomas sind wir genau im Plan“, sagt Sporttherapeut Remuta. Das Entscheidende sei, mit den Patienten – egal, wieviel Sport sie trieben – ein Ziel zu vereinbaren und dieses auch zu erreichen. Und Remuta hat sie alle wieder fit gekriegt, Wintersportikonen wie Katja Seizinger und Hackl Schorsch oder Borussia Mönchengladbach-Kapitän Lars Stindl genauso wie Menschen, für die es im Alltag einfach wieder darum ging, Treppen zu steigen oder ihre Kinder auf den Arm nehmen zu können. Verletzung ist nicht gleich Verletzung. Remuta weiß, dass jeder Patient mit der Situation anders umgeht, körperlich, psychisch. Deshalb geht er jeden Fall aufs Neue mit detektivischer Akribie an. Wie kaum ein anderer fühlt er sich in seine Patienten hinein. Am Ende findet er den einen Weg, der die versehrten Knochen, Muskeln und Sehnen anspricht. 

Das Comeback fest im Blick

Ich schreibe mir nicht die eine Therapie auf die Fahne, sondern schaue, was der Patient braucht.

Dr. med. Nadine Dreyer, Chefärztin Orthopädie, Traumatologie und Sportmedizin

Neben der hochmodernen technischen Ausstattung sind Offenheit und Dialog das, was den Medical Park St. Hubertus auszeichnet. „Es ist mir wichtig für meine Patienten erreichbar zu sein, auch für das ärztliche Umfeld, das sie mitbringen. Da bin ich eher integrativ unterwegs“, sagt Chefärztin Dr. med. Nadine Dreyer. „Wenn ein Athlet eine Zweitmeinung will, kann er sie sich gerne besorgen. Wir unterstützen ihn dabei.“ Besonders gut klappt das mit den Teamärzten des DSV. Dreyer kennt sie alle persönlich. Die Partnerschaft mit dem DSV ist ihr eine Herzensangelegenheit und die Reha von „Tom“ insbesondere. „Tom ist ein Rohdiamant.“ Seine natürliche Unverkrampftheit in Kombination mit seinem enormen Ehrgeiz sei außergewöhnlich. Die Zwangspause inklusive des Aufenthalts am Tegernsee hat dieser Power keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil. Auf was es jetzt ankomme, so Dreyer, sei der Übergang von der Reha zum Wiedereinstieg ins Training. 

Das nächste große Ziel hat Dreßen jedenfalls fest im Blick: die Teilnahme am Trainingslager in Chile im Sommer. Stress macht er sich aber keinen. Er will auf seinen Körper hören. Und wenn alles wieder passt, „dann bin ich überzeugt, dass in der nächsten Saison auch wieder was geht. Das ist mein Ziel. Ich gebe nicht jeden Tag Vollgas, um am Ende Dreißigster zu werden.“