Alexander Leipold im Interview: Ein Leben nach dem Schlaganfall
Alexander Leipold im Interview

15 Jahre
nach dem Schlaganfall

Therapieleiter Gunter Hölig und sein Patient, der ehemalige Profi-Ringer Alexander Leipold, berichten 15 Jahre nach dem Schlaganfall von ihren Erfahrungen und der gemeinsamen Therapie.

Neustart nach dem Schlaganfall:
Alles auf Anfang

WENN SICH DAS GANZE LEBEN VON EINEM MOMENT AUF DEN ANDEREN VERÄNDERT

Schlaganfall – das verbinden wir meistens mit dem Seniorenalter. Nur wenige wissen, dass auch junge Menschen einen erleiden können. So zählt beispielsweise der ehemalige Profi-Ringer Alexander Leipold zu den Betroffenen. Während der Anreise zu einem Wettkampf erlitt der damals 34-Jährige 2003 einen Schlaganfall. Zwei weitere folgten. Die Folgen waren drastisch: Er büßte damals große Teile seines Sprachvermögens und seiner Bewegungsfähigkeit ein.

Von diesem einschneidenden Ereignis in seinem Leben erholte sich Alexander Leipold im Medical Park Bad Rodach. Dort traf er unter anderem auf Gunter Hölig, Diplom-Sportlehrer und dortiger Therapieleiter. 15 Jahre später sprechen beide nun über ihre gemeinsamen Erfahrungen von damals und was sich seitdem verändert hat.

Schlaganfall Training
Schlaganfall Erfahrung
Schlaganfall Therapie
Schlaganfall Behandlung

Als Schlaganfallpatient in die Reha
„AUFGEBEN IST KEINE OPTION“ LAUTETE DIE DEVISE

Ein Schlaganfall wirft wahrscheinlich jeden Betroffenen erstmal aus der Bahn. Für einen Leistungssportler ist der Kontrast zu dem Leben, das man bis dahin geführt hat, sicherlich sehr groß: An einem Tag noch mitten im Wettkampf – am nächsten nicht mehr in der Lage, eigenständig das Bett zu verlassen. Gunter Hölig kann sich noch gut erinnern: „Alexander kam schwerstbetroffen und deprimiert von der Schwere der Situation in den Medical Park Bad Rodach. Aber als Profisportler hat er es auch verstanden, sich kleine Ziele zu setzen und sie zu erreichen.“

Eine schnelle Rückkehr in das normale Leben. Wieder zurück auf die Ringermatte. Für Alexander Leipold waren diese beiden Dinge die treibende Motivation, immer weiter zu kämpfen. Für das Therapeutenteam war der austrainierte Sportler dabei anfangs aber eine echte Herausforderung: Der unbedingte Wille und die Ungeduld mit sich selbst machten Alexander Leipold zu einem anspruchsvollen Patienten, bei dem die Therapeuten alle Register ziehen konnten, um ihn zu mobilisieren. Durch die wiederkehrende Kraft war er muskulär bald nicht mehr zu fordern. Seine Defizite lagen eher im Bereich der Sensomotorik und der Koordination, in dem eine Wiederherstellung häufig viel Zeit in Anspruch nehmen kann.

Alexander Leipold testet begeistert die neue digitale Reha-Technik
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Alexander Leipold beim Korbflechten in der Ergotherapi
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Therapie nach dem Schlaganfall:
Von kleinen Erfolgen

Mit gutem Beispiel voran

Sich selbst motivieren. Andere begeistern und animieren. Ziele setzen, sich fokussieren und Schritt für Schritt heranarbeiten: Auf viele Herangehensweisen, die Alexander Leipold bereits aus dem Leistungssport vertraut waren, konnte er auch in der Reha erfolgreich zurückgreifen. Die Medical Park Klinik in Bad Rodach hat er sich deshalb als eine Art Trainingslager vorgestellt: „Ich habe die neue Situation angenommen. Das war jetzt der Status quo. Von da an wollte ich nach vorne blicken.“

Die persönliche Fallhöhe war dabei immens: Vor dem Schlaganfall stemmte Alexander Leipold beim Bankdrücken 117 Kilogramm. In der Reha startete er aufgrund seiner Einschränkungen der Koordination von dem Punkt, zunächst 10 Sekunden lang den Po anzuspannen. Mit Hilfe des Medical Park Teams ließ er sich davon allerdings nicht entmutigen: „Die Unterstützung des Therapeuten ist besonders wichtig. Eine abwechslungsreiche Therapie mit stetig schwerer werdenden Zielen motiviert sehr.“

Jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung hilft weiter.

Alexander Leipold, ehemaliger Profi-Ringer, heute Trainer und Motivationscoach

Nach dem Schlaganfall:
Ein neues Leben

15 Jahre später teilt Alexander Leipold sein Wissen

Vier Wochen nach seiner Ankunft durfte Alexander Leipold den Medical Park Bad Rodach in gutem Zustand wieder verlassen. Der Schlaganfall hatte einiges für ihn verändert – nicht nur gesundheitlich. Vor allem hatte er ein völlig neues Bewusstsein für Sprachstörungen entwickelt. Ein fehlendes Sprachvermögen bedeutete für ihn nicht länger, dass das Gegenüber damit automatisch auch nicht in der Lage ist, den Inhalt einer Unterhaltung zu verstehen. Er kann sich heute viel besser in die Situation einfühlen: „Im Kopf konnte ich meine Worte alle noch formulieren. Ich konnte sie aber nicht mehr aussprechen. Dabei war ich doch vollkommen klar bei Verstand.“

Genau diese persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse um seinen Schlaganfall und die anschließende Reha sind die Hauptthemen in seinen Vorträgen, die Alexander Leipold heute hält. Dabei ist Motivation für ihn immer noch ein sehr wichtiges Thema: Es geht darum, sich dahin zurückzukämpfen, wo man vorher war – oder sogar noch stärker aus allem hervorzugehen als zuvor.

Wir hetzen im Alltag von einem Termin zum anderen. Für unsere Gesundheit nehmen wir uns aber viel zu selten Zeit. Während einer Reha muss man sich diese nehmen.

Alexander Leipold, ehemaliger Profi-Ringer, heute Trainer und Motivationscoach

Schlaganfall-Reha:
Was hat sich verändert

15 JAHRE SPÄTER IM MEDICAL PARK BAD RODACH

Die Entwicklungen und Möglichkeiten in der Neurorehabilitation haben sich in den letzten 15 Jahren enorm verbessert. Im Medical Park Bad Rodach ist man hervorragend ausgebildet und bestens ausgestattet. Man behandelt heute überwiegend evidenzbasiert: Das bedeutet, das Vorgehen im Einzelfall an den besten zur Verfügung stehenden Forschungsergebnissen auszurichten. Es geht darum, jeden individuellen Behandlungsprozess mit wissenschaftlich gesicherten und wirksamen Therapien zu gestalten. Dieses Vorgehen wird durch alternative Behandlungsansätze ergänzt.

Auch Offenheit gegenüber Innovationen gehört zur Arbeit. „Ein gutes Beispiel dafür, dass Medical Park in vielen Bereichen Pionierarbeit leistet ist, die Bad Rodacher Therapiewelt Armrehabilitation: Hier kommen in der Behandlung neueste Therapiegeräte aus der Robotik- und Sensorik- Technik zum Einsatz. Das gilt auch für den Bereich der Gangrehabilitation“, erklärt Gunter Hölig. Die Erfolgsgeschichte einer Reha kann aber nur von einem geschrieben werden: dem Patienten selbst. Deshalb versteht sich der Therapieleiter mit seinem Therapeutenteam auch immer als Motivator, um die gesetzten Behandlungsziele zu erreichen.

Sport nach dem Schlaganfall:
Geht das?

SO BLEIBT ALEXANDER LEIPOLD HEUTE FIT

Auslöser für den Schlaganfall von Alexander Leipold war eine Viruserkrankung, die er nicht richtig auskuriert hat. Er reiste damals direkt vom Krankenbett zum Konditionstraining – eine folgenschwere Entscheidung. Mit einer Entzündung trainieren oder damit sogar Hochleistungssport betreiben? Das kommt für ihn heute nicht mehr infrage. Sport ist dennoch unverändert ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.

Die Ringermatte im Keller hat Alexander Leipold behalten. Mit Bankdrücken, Kurzhanteln und Sling-Training kräftigt er den ganzen Körper, insbesondere den Rücken. Seine Kondition stärkt er im Sommer mit Radfahren, im Winter nutzt er dafür alternativ den Crosstrainer. Obwohl er sich an seinen festen Trainingsplan hält, sieht der ehemalige Ringer heute einiges nicht mehr so streng wie zu der Zeit als Profisportler: „Ich hätte mich damals komisch gefühlt, wenn ich mal nicht trainiert hätte. Heute kann ich es auch nachvollziehen, warum man nach einem anstrengenden Tag auch mal eine Pause einlegen möchte.“

Zwei oder dreimal die Woche 15 Minuten Sport treiben reicht schon, um auf die Gesundheit positiv einzuwirken.

Alexander Leipold, ehemaliger Profi-Ringer, heute Trainer und Motivationscoach

Tipps für
Schlaganfallpatienten

FÜNF PERSÖNLICHE RATSCHLÄGE VON ALEXANDER LEIPOLD

  • Die neue Situation akzeptieren. Das ist nicht einfach, aber ein erster wichtiger Schritt.
  • Warum ausgerechnet ich? Fragen Sie sich das nicht. Das hilft Ihnen bei der Genesung nicht weiter.
  • Positive Aspekte finden: Halten Sie sich vor Augen, was Sie bereits geschafft haben und motivieren Sie sich damit selbst.
  • Schritt für Schritt vorwärts: Setzen Sie sich kleine, realistische Ziele. Die Erfolge werden Sie anspornen, am Ball zu bleiben.
  • Wer nicht kämpft, hat schon verloren: Glauben Sie an sich selbst, auch wenn eine Reha hart ist. Ihr Einsatz wird belohnt werden.

Danke an den Botschafter der Stiftung  Deutsche Schlaganfall-Hilfe,  Alexander Leipold, für seinen Besuch im Medical Park Bad Rodach 15 Jahre nach seinem Schlaganfall. Wer mehr über Alexander Leipold lesen möchte, dem empfehlen wir sein Buch "Wer nicht kämpft, hat schon verloren", das man mit persönlicher Widmung unter Leipold@feelyourlimit.de  bestellen kann.

Viele weitere Einblicke aus dem Klinik-Alltag sowie zahlreiche Daten und Fakten finden Sie im Medical Park Qualitätsbericht.

Dieser Artikel entstand mit beratender Unterstützung von Gunter Hölig, Therapieleiter im Medical Park Bad Rodach.

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