Angststörungen behandeln

Angststörung
mit Benzodiazepinen behandeln? Pro und Contra

Chefarzt Prof. Dr. med. Michael Soyka erklärt die wichtigsten Symptome einer Angststörung und wie sie mit Benzodiazepinen behandelt werden können. Die angstlösenden Medikamente können allerdings auch gravierende Nebenwirkungen hervorrufen.

Angst ist im Grunde eine normale menschliche Reaktion. Sie stellt einen Schutzmechanismus dar, der verhindern soll, dass wir uns in potentiell gefährliche Situationen begeben. In der Psychiatrie versteht man unter dem Oberbegriff „Angst- und Panikstörungen“ verschiedene Erkrankungen, die bei den Betroffenen massive Angstreaktionen auslösen, ohne dass in der Realität extreme Gefahren oder Bedrohungen vorliegen. Wie sich diese Reaktionen konkret auswirken, ist individuell sehr unterschiedlich.

Zu den bekanntesten Formen einer Angststörung gehören z. B. die Agoraphobie, d. h. die Angst über einen großen, leeren Platz gehen zu müssen , die Angst vor engen Räumen, etwa einem Fahrstuhl (Klaustrophobie), oder die Angst vor Spinnen (Arachnophobie). Neben der Angst vor konkreten Situationen oder Objekten gibt es auch Ängste, bei denen die Betroffenen oft gar nicht genau sagen können, wovor sie eigentlich Angst haben.

Angststörung: Symptome und psychische Auswirkungen

Psychisch äußert sich eine Angst- und Panikstörung häufig durch eine übertriebene Schreckhaftigkeit und Reizbarkeit, starke Konzentrationsstörungen und Schlaflosigkeit. Folgende körperliche Symptome können auftreten:

  • Zittern
  • Schwitzen
  • Erhöhte Muskelspannung
  • Erhöhte Herzfrequenz
  • Atemprobleme
  • Mundtrockenheit
  • „Kloßgefühl“ im Hals
  • Schwindel oder Ohnmachtsanfälle

Im Extremfall kann eine Angststörung dazu führen, dass die Betroffenen sich völlig von ihrer Umwelt zurückziehen und kaum noch das Haus verlassen.

 

Angststörung:
Behandlung mit Beruhigungsmitteln

Schnelle Hilfe bei Angst- und Panikzuständen

Beruhigungsmittel sind nützliche Medikamente bei Angststörung, Erregungs- oder Panikzuständen. Sie sind auch unter dem englischen Namen „Tranquilizer“ bekannt. Dieser leitet sich von dem lateinischen Wort „tranquilitas“ ab, was so viel bedeutet wie „Ruhe“ oder „Frieden“. Im Gegensatz zu den Antidepressiva, deren stimmungsaufhellender Effekt erst nach zehn bis vierzehn Tagen einsetzt, wirken angstlösende Medikamente oft sofort. Sie bieten auch bei kurzfristigen Krisen, wie beispielsweise Panikattacken, schnelle Hilfe.

Angststörung mit Benzodiazepinen behandeln

Wenn von „Beruhigungsmitteln“ die Rede ist, sind meistens Benzodiazepine gemeint. Diese Gruppe von angstlösenden Medikamenten wird am häufigsten verschrieben. Neben ihren beruhigenden Eigenschaften haben Benzodiazepine auch eine entspannende Wirkung auf die Muskulatur und dienen zur Vermeidung von Krampfanfällen. Da Angst- und Unruhezustände bei vielen psychischen Erkrankungen eine Rolle spielen, werden Benzodiazepine häufig auch begleitend bei der Therapie einer Depression oder einer psychotischen Erkrankung eingesetzt.

Therapie bei Angststörungen
Angststörung Therapiestunde

Benzodiazepine:
Toleranzentwicklung und Abhängigkeit

Die Nachteile der angstlösenden Medikamente

Benzodiazepine haben allerdings auch erhebliche Nachteile: Bei einer langfristigen Einnahme der Medikamente kann es zu einer Toleranzentwicklung kommen. Das bedeutet, dass sich der Körper mit der Zeit an das Medikament gewöhnt und dessen Wirkung nachlässt. Um weiterhin den gewünschten Effekt zu erzielen, muss die Dosis des Medikaments gesteigert werden. Damit hängt auch zusammen, dass es bei einem längeren Konsum von Benzodiazepinen recht schnell zu einer Abhängigkeit kommen kann. Es ist daher sehr wichtig, dass diese Medikamente immer unter ärztlicher Aufsicht und nur über einen begrenzten Zeitraum von maximal drei Monaten eingenommen werden.

Benzodiazepine und ihre Nebenwirkungen

Vor allem zu Beginn einer Behandlung mit Benzodiazepinen kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

  • Müdigkeit
  • Schläfrigkeit
  • Einschränkung der Konzentration
  • Allgemeine Verschlechterung der Leistungsfähigkeit (z.B. Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen)
  • Einschränkung der Fähigkeit ein Fahrzeug im Straßenverkehr zu führen oder eine Maschine zu bedienen

Benommenheit und Schwindel, Störungen der motorischen Koordination oder eine Gangunsicherheit kommen vor allem bei älteren Menschen vor und sind oft Zeichen einer Überdosierung. Aufgrund der muskelerschlaffenden Wirkung kann es auch zu Stürzen und als Folge davon zu Knochenbrüchen kommen.

Kunsttherapie bei Angststörungen
Musiktherapie bei Angststörungen
Therapie bei Angststörungen

Benzodiazepine sollten nur unter ärztlicher Kontrolle und nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden.

Prof. Dr. med. Michael Soyka, Chefarzt Medical Park Chiemseeblick

Die Therapie
mit Benzodiazepinen

Diese Gefahren bergen Beruhigungsmittel

Eine Langzeitbehandlung mit Benzodiazepinen kann zu Sprachstörungen oder Gedächtnislücken führen. Auf das Atemzentrum im Gehirn wirken Benzodiazepine dämpfend, was bei einer starken Überdosierung bis zum Atemstillstand führen kann. Da manche Benzodiazepine nur langsam wieder aus dem Körper ausgeschieden werden, kann es bei einer langfristigen Einnahme und bei einer Überdosierung zu einer gefährlichen Anhäufung dieser Substanzen im Körper kommen.

Ältere und verwirrte Menschen können unter der Therapie mit Benzodiazepinen sogenannte „paradoxe Reaktionen“ zeigen: Agitiertheit (innere Unruhe und gesteigerter Bewegungsdrang), Aggressivität sowie Schlaflosigkeit.

Bei chronischer Einnahme ist ein stufenweises Ein- und Ausschleichen bei Beruhigungsmitteln besonders wichtig. Setzt man Benzodiazepine oder andere angstlösende Medikamente abrupt ab, kann es zu überschießenden Gegenreaktionen kommen, etwa zu verstärktem Angstempfinden oder gar zu Panikattacken bis hin zu epileptischen Anfällen und Delir.

Dieser Artikel entstand mit beratender Unterstützung von Prof. Dr. med. Michael Soyka, Chefarzt Psychosomatk im Medical Park Chiemseeblick.