sichere reha

COVID-19:
SICHERE REHA IN ZEITEN VON CORONA

Reha ist auch während der Corona-Pandemie sicher möglich: André Baumeister ist dafür der beste Beweis. Er hat Multiple Sklerose (MS) . Im Medical Park Loipl  wollte er die Rumpfmuskeln zur Aufrichtung seines Oberkörpers stärken, doch dann war zusätzlich die Kraft seines Immunsystems gefragt. Baumeister erkrankte an COVID-19, erholte sich wieder davon und hatte auch in den Tagen kurz vor seiner Abreise noch ein volles Programm.

9:30 Uhr Physiotherapie: Es geht los mit einer Konzentrationsübung, dann mit ganz viel Kopfarbeit die Beine bewegen und an der Sprossenwand aus dem Rollstuhl ins Stehen kommen. „Sieht echt super aus“, lobt die Physiotherapeutin Melanie Adam. Nach 30 Minuten geht es weiter zur medizinischen Trainingstherapie im „Fitnessstudio“ der Reha-Klinik. Baumeister stemmt Gewichte und stöhnt ein wenig unter der Atemschutzmaske: „Ist schon anstrengend, aber ich bekomme genügend Luft.“ Die Fenster stehen weit offen und jeder trainiert mit großem Sicherheitsabstand.

Abgesehen davon, dass alle Masken tragen, läuft in der Reha in Zeiten von Corona scheinbar alles wie immer. Aber der Schein trügt. Der Medical Park Loipl hoch oben in der Bergwelt Berchtesgadens, eine Fachklinik für Neurologie mit dem Schwerpunkt MS, ist seit einem Jahr auch das erste deutsche Zentrum für Klinische Neuroplastizität. Bei André Baumeister wurde nach Beginn der Reha SARS-CoV-2 nachgewiesen. Baumeister gehört als Patient mit Multipler Sklerose zur Risikogruppe. Vor fast 20 Jahren wurde bei dem heute 44-Jährigen aus der Nähe von München die Autoimmunerkrankung des Nervensystems diagnostiziert. Seit zehn Jahren sitzt er jetzt schon im Rollstuhl. Dass ihm seine Beine nicht mehr gehorchen, damit hat er sich abgefunden. Deshalb wollte er in Loipl seine Rumpfmuskulatur stärken und die Arme trainieren.

 

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REHA MIT CORONA
POSITIV AUF SARS-COV-2

Alles lief nach Plan, bis André Baumeister Ende März leichtes Fieber bekam. Er wurde umgehend auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus getestet. Der Test war positiv. „Ich dachte erst, da haben sie sich geirrt“ – Baumeister konnte es nicht glauben. Er und zwei ebenfalls positiv getestete Mitpatienten kamen auf die Isolierstation, die die Klinikleitung eingerichtet hatte. Die drei COVID-19-Patienten der Reha-Klinik hatten Glück: Bei allen nahm die Infektion einen leichten Verlauf. Aber natürlich wäre das Klinikpersonal in Loipl auch für den Notfall gerüstet gewesen. „Wir haben hier zwar keine Intensivstation, aber großzügige Versorgungsmöglichkeiten auch für akut erkrankte Patienten“, sagt Prof. Dr. Peter Rieckmann, Chefarzt im Medical Park Loipl.

Davon profitierte auch André Baumeister. In den vier Wochen, bis das Virus endlich nicht mehr nachweisbar war, war er zwar isoliert, aber nicht allein. Die Pflegekräfte nahm sich viel Zeit, auch wenn sie in ihrem „Kosmonautenanzug“ etwas anders aussahen als sonst. Therapeuten und Ärzte riefen regelmäßig an und der Physiotherapeut Johannes Ripperger kam nicht nur zum Training, sondern auch einfach zum Reden vorbei. „Das war ganz wichtig“, sagt Ripperger.

Die Pandemie hat auch seine Arbeit verändert – und die Digitalisierung des Klinikalltags beschleunigt. Das im Haus entwickelte computergestützte Training wurde in Windeseile ausgebaut. Inzwischen gibt es zehn Tablets – mit 300 verschiedenen Reha-Übungen, sodass Patienten auch für sich unter professioneller Anleitung trainieren können. 250 dieser Übungen hat das Team seit Beginn der Coronakrise eingespielt. Auch Baumeister trainierte jeden Tag mit dem digitalen Reha-Assistenten: „Es war gut, dass ich so auch in Quarantäne trainieren konnte.“ Er hat das Beste aus dieser Zeit gemacht. Geholfen hat ihm, dass er ohnehin ein eher unaufgeregter, aber motivierter Typ ist.

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CORONA MACHT KREATIV
SO ERFINDET SICH DIE REHA NEU

Dabei war und ist die Aufregung aufgrund der Corona-Pandemie groß. In Loipl hat das ganze Team die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen rasch und konsequent umgesetzt. Die Grundlage sind auch in Loipl die drei Gebote der Pandemie: testen, tracken, isolieren. Außerdem hat man in der Reha-Klinik Hygienemaßnahmen und „social distancing“ sehr ernst genommen. Schon sehr früh war es für alle verpflichtend, eine Schutzmaske zu tragen. Kommuniziert und informiert wurde offen und transparent: „Weil wir keine Versammlungen einberufen konnten, haben wir selbst Videos gedreht und über die großen Klinikmonitore ausgestrahlt“, erzählt Prof. Rieckmann.

Entsprechend groß war und ist die Kooperationsbereitschaft der Patienten. Und auch das Team hat die neue Situation angenommen. Besonders wichtig ist nach wie vor, dass das psychische Wohlergehen der Patienten trotz der Hygienemaßnahmen nicht ins Hintertreffen gerät. So gibt es Kreativangebote an der frischen Luft und die Möglichkeit, zu musizieren – sogar einen Flügel haben sie organisiert, auf dem Prof. Rieckmann den Patienten schon mal ein Ständchen gebracht hat. Für Angehörige wurde während der Zeit des Besuchsverbots eine sichere „Schleuse“ eingerichtet, damit Patienten ihre Lieben sehen konnten. Die ganze Klinikfamilie hat angesichts der Herausforderungen neu zusammengefunden.

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Schutzmasken, die während der Coronakrise im Rahmen des Konzepts „Sichere Reha“ angeschafft wurden

SICHERE REHA
DAS CORONA-KONZEPT VON MEDICAL PARK

Gemeinsam haben alle Medical-Park-Kliniken als erster großer Anbieter medizinischer Rehabilitation ein umfassendes Konzept „Sichere Reha“ entwickelt. Dank des 3-Stufen-Plans können alle Häuser wirksame Reha-Maßnahmen bei vollem Infektionsschutz auch während der Pandemie gewährleisten. Mittlerweile ist die Klinik in Loipl seit Wochen wieder „coronafrei“. Das neue „Sichere Reha“-Konzept funktioniert.

Seit Mitte Mai wird jetzt jeder Patient bei Ankunft getestet, auch die Mitarbeiter der Klinik werden regelmäßig getestet – nicht zuletzt zu ihrer eigenen Sicherheit. Für Prof. Rieckmann gibt es deshalb keinen Grund, eine medizinisch notwendige Reha aufgrund der Pandemie zu verschieben. Im Gegenteil: „Hier können sich die Patienten auch mal aus der stressigen Welt zurückziehen und sich ganz auf ihr Wohlergehen konzentrieren.“

IM RÜCKBLICK
SO WAR DIE REHA MIT CORONA

André Baumeister wurde Mitte Mai nach über zwei Monaten in Loipl wieder entlassen. Dass es für ihn allzu stressig wird, kann er sich nicht vorstellen. Als genesener COVID-19-Patient weiß er, wie man in Zeiten der Pandemie miteinander umgehen sollte. Und wie sieht er diese etwas andere Reha im Rückblick? „Toi, toi, toi, dass es mir so gut ging“, sagt Baumeister. Dass er dabei leise lacht, kann man wegen der Atemschutzmaske nur an seinen Augen sehen.