Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage

Laufen im Winter

Winterzeit ist Indoorzeit. Bei Schnee und Eis trainiert es sich doch drinnen auf dem Laufband am besten und nur die Wenigsten denken ans Laufen draußen im Schnee. Doch warum eigentlich? Denn schließlich können auch im Winter die Laufschuhe geschnürt werden, erklärt unser Laufexperte Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage.

Richtig laufen
im Winter

Was muss ich beim Laufen auf Schnee beachten?

Auf Schnee lässt sich abhängig von den konkreten Verhältnissen unterschiedlich gut oder schlecht laufen. Neuschnee bietet in der Regel gute Griffigkeit, vorausgesetzt der Untergrund ist einigermaßen hart und eben.

Je älter die Schneedecke wird, je stärker sie durch Fußgänger festgetreten ist und uneben wird, desto schwieriger wird das Unterfangen, darauf einigermaßen sicher und koordiniert zu laufen. Kurze Strecken in ruhigem Tempo lassen sich dann in der Regel noch vertreten.

Wenig besser ist der haltlose Schneematsch, der sich nach längerer Zeit auf Gehwegen und Straßen bildet. Hier kommt man kaum vom Fleck und hat meist nach kurzer Zeit nur noch wenig Lust, sich mit hohem Kraftaufwand in eher langsamem Tempo voranzukämpfen.

Am schlechtesten wird die Schneeoberfläche, wenn sie tagsüber antaut und nachts wieder gefriert. In solchen Fällen ist das Sturzrisiko sehr hoch und man sollte nicht zögern, eine Trainingseinheit im Fitness-Studio vorzuziehen.

Laufen auf Schnee
eine Frage der richtigen Laufschuhe

Äußerst wichtig im Winter sind die richtigen Laufschuhe. Die Außensohle sollte griffig sein, mit Rillen, Noppen, Fugen versehen, um auf dem Untergrund möglichst guten Halt zu bekommen. Je flexibler die Sohle gestaltet ist, desto besser passt sie sich dem Untergrund an. Ein sehr harter, unflexibler Sohlenaufbau hingegen kann das Laufen auf unebenem Schneeboden zusätzlich erschweren.

Trailschuhe bieten meist ein robustes, Feuchtigkeit abweisendes Obermaterial. Das kann in Zeiten beginnenden Tauwetters sehr wertvoll sein. Entscheidend aber sind das Laufgefühl und die Unterstützung der flüssigen Laufbewegungen – sonst wären im Winter alle Läufer mit Bergschuhen unterwegs.

„Auch wenn es Überwindung kostet – im Winter kann man für seine Gesundheit nichts Besseres tun, als sich regelmäßig an der  frischen Luft zu bewegen!“

 

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage, Ärztlicher Direktor und Facharzt für Orthopädie, Physikalische und Rehabilitative Medizin und Sportmedizin Medical Park Bad Wiessee St. Hubertus

Bewegung fördert die Gesundheit

Der Lebensstil ist ein Hauptfaktor für Gesundheit oder Krankheit, seine Bedeutung nimmt immer mehr zu (vergleichen mit der Genetik). Unter den sechs wichtigsten Gründen für lebensstilbedingte vorzeitige Todesfälle sind mittlerweile fünf, die mit dem Bewegungsmangel zu tun haben (der sechste ist das Rauchen).

Im Detail wirkt Bewegung positiv (und stärker als jedes Medikament) gegen Herzinfarkt und Schlaganfall (Herz-Kreislauf-Erkrankungen), gegen Diabetes mellitus Typ 2 (Stoffwechselerkrankungen), gegen Krebsleiden (Dickdarmkrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs, …), gegen psychische und psychosomatische Leiden (Depressionen, Burn out), gegen Infekte (Erkältung, Grippe), gegen Demenzerkrankungen (M. Alzheimer u.a.), gegen Osteoporose u.v.a.m.

Was man nicht benötigt (im Winter wie im Sommer) ist ein spezielles Aufwärmprogramm fürs Joggen, Walken, Wandern. Aufwärmen bedeutet in der Regel langsames Loslaufen für 10-15 Minuten. Nichts anderes geschieht, wenn ich meinen lockeren Lauf durch den Winterwald beginne. Im Winter benötigt der Organismus etwas länger, um die optimale Betriebstemperatur in allen Körperregionen zu erreichen (Aufwärmeffekt). Daher sollte man einfach ein bisschen langsamer loslaufen. Habe ich hingegen Sprintbelastungen vor, ist gezieltes Aufwärmen sinnvoll. Und das beginnt - mit langsamen    Loslaufen für 10-15 Minuten.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung

Laufen in Mitteleuropa ist für gesunde Menschen bei allen realistischer Weise auftretenden Temperaturen möglich. In Nordkanada bei minus 40°C sieht das etwas anders aus – und natürlich auch bei akuten oder chronischen Erkrankungen der Atemwege. Gleichwohl ist ein einzelner Lauf auch bei extrem niedrigen Temperaturen völlig unproblematisch. Erst bei regelmäßigem, intensivem Training kann eine chronische Bronchitis entstehen.

Durch mehrere Schichten der Laufkleidung kann man sich flexibel und variabel auf die aktuellen Temperaturen (und möglichen Niederschlag) einstellen. Die unterste Schicht sollte aus einer Funktionsunterwäsche bestehen, d.h. aus so genannten nicht benetzenden Fasern. Diese saugen Flüssigkeit nicht auf, sondern leiten sie weiter nach außen, wo sie als Schweiß verdampfen kann. Die mittlere Schicht richtet sich nach den herrschenden Temperaturen – von einem dünnen Funktionsshirt bis hin zum wärmenden Fleecepulli. Und die äußere Schicht hält Wind und/ oder Regen ab (Regenjacke, Anorak etc.)

 

Die Tipps von Laufexperte Thomas WEssinghage für den Winter:

  1. Regelmäßig draußen bewegen – in angemessenem Tempo und ggf. nach Rücksprache mit dem Arzt.
  2. Die richtige Kleidung wählen - Zwiebellook!
  3. Langsam starten, um den Körper sanft aufzuwärmen.
  4. Das Tempo so anpassen, dass unterwegs möglichst keine Pausen eingelegt werden müssen, sonst unterkühlt der verschwitzte Körper.
  5. Nach dem Sport: sofort trockene Kleidung anlegen , um keine Erkältung zu riskieren. Auch wenn man beim Umziehen für 20 Sekunden dampfend mit nacktem Oberkörper auf dem Waldparkplatz steht. Das ist besser, als nachher für 15 Minuten mit feuchter Kleidung im Auto zu sitzen.

Dieser Artikel entstand mit beratender Unterstützung von Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage ,  Ärztlicher Direktor, Facharzt für Orthopädie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Sportmedizin im Medical Park Bad Wiessee St. Hubertus