nach einem schlaganfall
Therapie und Pflege in der Schlaganfall-Reha

Rehabilitation nach einem Schlaganfall:
zurück ins Leben!

Die ehemalige Krankenschwester Gerda R. erlitt einen Schlaganfall. Trotz sofortiger Notfallversorgung war ihr Arm gelähmt. In der Rehabilitation im Medical Park Humboldtmühle lernte sie, sich wieder selbst zu versorgen.

Gerda R. hat gleich gewusst, was mit ihr geschieht. „Ich hatte gerade noch Kaffee gekocht und am Wohnzimmertisch zwei Tassen hingestellt“, erinnert sich die 86-Jährige. „Und dann wollte ich die Kanne nehmen und merkte: Ich kann gar nicht, mir fällt der Arm weg.“

Weil Gerda R. fast 50 Jahre als Oberschwester im Krankenhaus gearbeitet hat, erkannte sie direkt die Symptome eines Schlaganfalls.

Schlaganfall-Symptome wie diese erfordern sofortiges handeln:

  • Halbseitige Lähmungserscheinungen (z. B. Mundwinkel hängt)
  • Plötzliche Empfindungsstörungen (z. B. gefühllose Körperhälfte)
  • Plötzliche Sprachstörungen
  • Plötzliche Bewusstseinsstörungen oder fehlende Orientierung
  • Plötzlich heftiger Schwindel
  • Plötzliche Sehstörungen (z. B. teilweise Erblindung)

„Guck mich mal an“, sagte sie zu ihrem Mann. Dieser erschrak und rief sofort einen Arzt. „Du stotterst ja. Du hast ’nen schiefen Mund.“

Trotz der sofortigen Reaktion und einer guten Notfallversorgung war Gerda R.´s    rechte Körperhälfte durch den Schlaganfall anfangs gelähmt. Als sie aus der Akutklinik entlassen wurde, musste sie mit dem Rollstuhl in die Rehaklinik gebracht werden.

risikogruppen und ursachen für einen schlaganfall:

Oft sind es ältere Menschen wie Gerda R., die nach einem Schlaganfall in den Medical Park Humboldtmühle kommen. „Wir haben aber auch viele jüngere Patienten – auch 30- und 40-Jährige, die schwer betroffen und teils Wochen, teils mehrere Monate bei uns in der Reha sind“, sagt Prof. Martin Ebinger, der Chefarzt der Neurologie.

Manchmal sind es scheinbar banale Ursachen, die zum Gehirnschlag führen, „zum Beispiel beim Sport ein Schlag an den Hals“, sagt der Neurologe. „Und es gibt sogar den kindlichen Schlaganfall, auch wenn das deutlich seltener ist. Erheblich häufiger handelt es sich beim Schlaganfall des älteren Menschen um das Ergebnis von seit Jahren bestehenden, aber eventuell unentdeckten Risikofaktoren wie hohem Blutdruck, Vorhofflimmern, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Rauchen, Alkohol, mangelnde körperliche Bewegung etc.“

So läuft die Rehabilitation
nach einem Schlaganfall

In der Rehaklinik Medical Park Humboldtmühle begann Gerda R. mit der sechswöchigen Schlaganfall-Rehabilitation, kurz Reha. Die Reha ist in unterschiedliche Phasen unterteilt, die sich an den individuellen Fähigkeiten des Patienten orientieren. Diese Fähigkeiten werden üblicherweise anhand des Barthel-Index abgeschätzt. Entsprechende Rehamaßnahmen ermöglichen so eine lückenlose Therapie.

Gerade nach einem Schlaganfall ist es wichtig, so früh wie möglich mit der Rehabilitation zu beginnen, um die Neuroplastizität des Gehirns zu nutzen, also dessen Fähigkeit, neue Funktionen in intaktem Hirngewebe zu übernehmen. Phase B wird der Frührehabilitation zugerechnet, Phase C der postprimären Rehabilitation und Phase D der Anschlussheilbehandlung. Eingestuft wird nach dem Punktesystem des Barthel-Index, der die Pflegeabhängigkeit bemisst.

die phasen der schlaganfall-rehabilitation

  • Rehabilitationsphase A:
    Als Phase A gilt die Notfallbehandlung. Die Patienten befinden sich hierbei noch in Akutversorgung auf der Stroke Unit eines Akutkrankenhauses.
  • Rehabilitationsphase B:
    Sie schließt sich direkt an Phase A an. Die Patienten sind überwiegend bettlägerig, zeigen oft noch schwere Bewusstseinstrübungen, Lähmungen, Schluck-, Sprach- und Feinmotorikstörungen. Erstes Ziel ist die Förderung einfacher sensorischer und motorischer Funktionen, zum Beispiel soll der Patient nach der künstlichen Beatmung wieder eigenständig atmen können und im Rollstuhl mobil sein.
  • Rehabilitationsphase C:
    Patienten der Phase C müssen nicht mehr überwacht werden, sind aber noch pflegeabhängig. Hier ist das Ziel, einfache Aktivitäten des Lebens wieder selbst erledigen zu können: Körperpflege, Anziehen, Essen und Trinken. Das Sprachvermögen wird trainiert, genauso wie das Gehen, Arme und Hände.
  • Rehabilitationsphase D:
    In Phase D benötigt der Patient nur wenig pflegerische Hilfe, hat aber noch deutliche Störungen in einigen Teilbereichen. Es geht darum, am Ende dieser Phase wieder in den Alltag und nach Hause zurückkehren zu können.

Mich fasziniert immer wieder, wie schön der Körper gemacht ist, um Defizite – etwa nach einem Schlaganfall – auszugleichen.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Ebinger, Chefarzt der Neurologie, Medical Park Berlin Humboldtmühle

Therapie und Pflege
in der Schlaganfall-Reha

Hand in Hand auf dem Weg zur Besserung

Besonders in der Neurologie ist die Pflege ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation. Denn meist ist sie viel aufwendiger als in anderen Fachbereichen: Ein Patient, der sich etwa am Knöchel verletzt hat, ansonsten aber kerngesund ist, kann sehr viele Dinge im Alltag noch selbst bewerkstelligen. Ein Patient in der Neurologie, der einen Schlaganfall hatte und halbseitig gelähmt ist, ist jedoch auf Pflege angewiesen.

„Die Pflege ist das Herzstück von allem, was um den Patienten herum geschieht“, sagt Prof. Ebinger, Chefarzt der Abteilung für Neurologie  und des angegliederte Schlaganfallzentrums Berlin. Vor mehr als zehn Jahren hat er sich auf die Schlaganfall-Medizin spezialisiert und weiß um die besondere Bedeutung der Pflege: „Das Pflegepersonal ist am nächsten am Patienten dran. Es hat den engsten Draht und die Mitarbeiter erkennen als Erste, ob es dem Patienten bessergeht oder nicht.“

Schlaganfall Beratung
Reha Behandlung nach einem Schlaganfall

Therapeuten, Pfleger
und Angehörige

Gemeinsam stark

Während der Schlaganfall-Rehabilitation wird deshalb Wert daraufgelegt, dass Therapie und Pflege immer eng zusammenarbeiten. Wenn die Pflege etwa vom Therapeuten weiß, dass der Patient schon ein paar Schritte mit dem Rollator gehen kann, können die Pflegekräfte den Patienten anleiten, selbst zu den Mahlzeiten zu gehen. Das motiviert den Patienten ebenso wie seine Betreuer.

Eng einbezogen werden auch die Angehörigen. Gerade nach einem Schlaganfall ist es oft so, dass das Sprachzentrum mitbetroffen ist und der Patient nicht ausreichend mit den Ärzten und Pflegern kommunizieren kann. „Hier sind die Angehörigen unsere ersten Ansprechpartner“, sagt Chefarzt Prof. Ebinger. „Sie müssen dann für den Patienten sprechen, müssen auch sagen, mein Mann oder meine Frau würde sich jetzt am liebsten dieses oder jenes wünschen.“

Nach einem Schlaganfall:
so geht es weiter

Lernen, den Alltag zu meistern

Die Pflegedienstleitung der Humboldtmühle weiß, wie schwierig es für die Schlaganfall-Patienten manchmal ist. Die Menschen wollen ihren alten Zustand wieder erreichen, dabei ist es schwer für sie, sich mit Einschränkungen abzufinden. Genauso wie für die Angehörigen. Auch sie sind verunsichert, wie es weitergeht und brauchen jemanden, mit dem sie über ihre Sorgen sprechen können. Oft geht es dabei um die Planung nach der Reha.

Ziel ist immer, dass der Patient in sein altes Leben zurückkann. Aber selbst nach einer erfolgreichen Reha gibt es bisweilen noch gewisse Defizite. Deshalb müssen zu Hause oftmals Umbaumaßnahmen stattfinden, weil es hohe Türschwellen oder Treppen gibt, oder das Bad umgerüstet werden muss.  Auch hierbei werden die Patienten und Angehörigen während der Rehabilitation unterstützt– zum Beispiel dann, wenn Mitarbeiter vom Sozialdienst zu Hausbesuchen kommen um die Gegebenheiten zu prüfen.

„Teilhabe steht bei uns im Vordergrund. Wir sehen uns genau an, wie der Patient zu Hause lebt – wohnt er im Erdgeschoss, hat er Treppen im Haus, gibt es einen Lift? Lebt er mit einem Partner, der ihn etwa beim Einkaufen unterstützen kann? Das Zusammenspiel von Therapie und Pflege ist stark alltagsorientiert“, erklärt Arnold.

Es ist wichtig, dass unsere Patienten wieder Zutrauen zu ihrem Körper gewinnen. Wir unterstützen sie dabei – nicht nur hier in der Klinik, sondern auch mit Tipps für den Alltag zu Hause.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Ebinger, Chefarzt der Neurologie, Medical Park Berlin Humboldtmühle  

Schlaganfall Therapie

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Dieser Artikel entstand mit beratender Unterstützung von Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Ebinger, Chefarzt Neurologie im Medical Park Berlin Humboldtmühle.

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