Nach der Hüft-OP:
So läuft’s wieder wie geschmiert

Wieder schmerzfrei und beweglich nach einer Hüft-OP: Wie Sie das Leben mit einer neuen Hüfte in vollen Zügen genießen können, verrät Ihnen Prof. Dr. med. Karsten E. Dreinhöfer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Orthopädie vom Medical Park Humboldtmühle in Berlin.

Das Telefon klingelt im Wohnzimmer, jetzt aber schnell! Wenn im Alter der Gang etwas unsicherer wird, kann in der Eile der Treppenabsatz oder die Türschwelle zur gefährlichen Stolperfalle werden. Mit dem Fuß hängen geblieben oder für einen Moment das Gleichgewicht verloren und dann ist es schon passiert: ein Sturz und knack. Die Folge ist häufig ein schmerzhafter Schenkelhalsbruch.

Im Laufe des Lebens verringert sich allerdings nicht nur die Knochendichte, die die Wahrscheinlichkeit von Frakturen steigen lässt. Vor allem mit Arthrose, dem altersbedingten Gelenkverschleiß, wird man in der zweiten Lebenshälfte vermehrt konfrontiert – jeder Dritte über 60 Jahre ist betroffen. Beim Spazierengehen taucht anfangs mal ein leichter Schmerz auf, ins Auto einzusteigen klappt nicht mehr so schwungvoll wie früher oder Getränkekisten zu tragen wird plötzlich zur außergewöhnlichen Belastung. Das Leiden wird im Laufe der Zeit stärker, man versucht bestimmte Bewegungen zu vermeiden. Die Mobilität nimmt immer weiter ab, die Not nimmt dafür zu: Tat die Hüfte anfangs nur nach dem Laufen weh, so schmerzt sie bald auch beim Liegen, im schlimmsten Fall bringen die Schmerzen einen nachts sogar um den Schlaf.

Ob es nun so abrupt ist wie bei einem Schenkelhalsbruch oder ein eher langsam fortschreitender Prozess wie bei einer Arthrose: Eine Hüftgelenksendoprothese, also der Ersatz des natürlichen Hüftgelenks, kann in beiden Fällen Patienten dabei helfen, wieder ein schmerzfreies Leben ohne Bewegungseinschränkungen zu führen.

NACH DER HÜFT-OP:
SCHNELL WIEDER AUF DIE BEINE

GANZHEITLICH GEDACHT: DER THERAPIEANSATZ VON MEDICAL PARK

Insgesamt wurden laut dem Statistischen Bundesamt 2018 deutschlandweit 239.204 künstliche Hüftgelenke implantiert. Nach diesem Eingriff stehen all diese Patienten vor der Aufgabe: Wie gehe ich mit meiner neuen Hüfte um? Dabei hilft ihnen intensives Training unter fachlicher Anleitung: „Die Reha verfolgt das Ziel der Wiederherstellung der Körperfunktionen, der Aktivitäten und der Teilnahme am sozialen Leben. Das heißt insbesondere auch der Erwerbstätigkeit und Fähigkeit zur Selbstversorgung“, erklärt Prof. Dreinhöfer.

Wir sehen den Patienten als Ganzes: mit all seinen individuellen Möglichkeiten, Erwartungen, Wünschen und Ängsten.

Prof. Dr. med. Dreinhöfer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Orthopädie vom Medical Park Humboldtmühle in Berlin

Bei Medical Park misst man dabei dem ganzheitlichen Therapieansatz hohe Bedeutung zu: Was hat der Patient für eine Erwartungshaltung? Wie ist sein persönliches Schmerzempfinden? Welche Ängste treiben ihn um? Das sind nur einige wenige der Fragen, die Patienten nach einer Hüft-OP beschäftigen. Da gilt es, miteinander zu reden und vor allem gut zuzuhören. Abhängig vom Gesundheitszustand und von den gewünschten und benötigten Aktivitäten im normalen Leben werden so anschließend gemeinsam mit dem Patienten die individuellen Rehaziele festgelegt.

KEIN „OH WEH!“ TROTZ HÜFT-OP:
PROF. DREINHÖFER IM INTERVIEW

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Zwischen der Hüft-OP und der Reha liegen mittlerweile oft nur noch wenige Tage. Was bedeutet das im Hinblick auf das Thema Schmerzen?

Vor zehn Jahren sind Patienten die ersten zwei Wochen nach der Operation noch im Krankenhaus geblieben. Heutzutage werden viele Patienten nach drei oder fünf Tagen verlegt. Das heißt, noch in der ganz akuten, postoperativen Schmerzphase. Wenn der Schmerzkatheter gezogen wird, sind die Auswirkungen des Eingriffs plötzlich voll spürbar. Das ist für viele Patienten schwierig.

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Wie reagieren Sie in der Rehaklinik darauf, dass Patienten früher zu Ihnen kommen?

Auf diese geänderten Rahmenbedingungen gehen wir mit einer sehr differenzierten, intensiven Schmerztherapie ein. Diese muss sehr individualisiert sein, da jeder Patient unterschiedlich Schmerzen empfindet und im Vorfeld andere Erfahrungen mit Schmerzmitteln mitbringt: Einige sind über Jahre an Schmerzmittel gewöhnt, andere haben vorher nie etwas eingenommen.

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Sind mehr Schmerzmittel dann das Mittel der ersten Wahl?

Unser Ziel ist es, die Menge der starken Schmerzmittel zu reduzieren, sobald es möglich ist. In der direkten postoperativen Phase sind Morphine und Opioide sehr effektiv, um die stärksten Schmerzen zu bekämpfen. Gleichzeitig haben sie natürlich auch Nebenwirkungen. Deshalb versuchen wir, sowohl die Menge als auch die Dauer möglichst kurz zu halten.

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Auf welche Maßnahmen setzen Sie dann stattdessen zur Schmerzlinderung?

Wir beziehen Alternativen zu klassischen Schmerzmitteln in die Therapie mit ein wie zum Beispiel Akupunktur, Reiki oder die Behandlung von Triggerpunkten. Auch physikalische Maßnahmen in Form von Kälte oder Wärme können zum Wohlbefinden beitragen. Außerdem kommt bei uns auch die Stoßwellentherapie zum Einsatz: Sie wirkt leicht schmerzlindernd, regt gleichzeitig aber auch die Regeneration des Gewebes an. Diese Stoffwechselaktivierung unterstützt die nachfolgende Gewebsheilung und den Abbau des Blutergusses, der sich nach der Operation bildet. In Summe sind das alles Ansätze, damit wir die Menge an Schmerzmitteln für den Patienten so gering wie möglich halten können.

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REHA MIT EINER NEUEN HÜFTE:
SO VIELFÄLTIG WIE DAS LEBEN SELBST

WIEDER SELBSTSTÄNDIG DANK ADL-TRAINING, THERAPIEAUTO & CO.

Ins Auto einsteigen, Einkäufe in den Kofferraum laden, sich in die Badewanne setzen, Treppensteigen und vor allem ohne zu Hinken geradeaus gehen: So selbstverständlich sich diese Abläufe für einen gesunden Menschen anhören, so herausfordernd sind sie für Patienten mit einer neuen Hüfte. „Man denkt oft, das ist wie beim Auto: Ich tausche den Reifen aus und hinterher fahre ich einfach los. Doch so einfach ist es bei einem neuen Gelenk nicht. Die über Monate oder Jahre verkürzte Muskulatur verlängert sich nicht plötzlich nach der Operation – sie muss langsam wieder gestärkt werden und die Koordination muss trainiert werden. Da braucht man als Patient viel Geduld, viel Ausdauer und manchmal auch eine hohe Frustrationstoleranz“, erläutert Prof. Dreinhöfer.

Training nach einer Hüft-OP im Medical Park
Training nach einer Hüft-OP im Medical Park
Training nach einer Hüft-OP im Medical Park
Trainingstherapie nach einer Hüft-OP im Medical Park
Training und Rehabilitation nach einer Hüft-OP im Medical Park Therapiegarten

Worauf sich die Patienten dabei immer verlassen können, ist die Unterstützung durch das gesamte Medical Park Team. Um den Patienten möglichst optimal auf die häuslichen Herausforderungen in Familie, Beruf und Freizeit vorzubereiten, werden zu Beginn des stationären Aufenthalts vom Patienten zusammen mit dem Arzt die Rehabilitationsziele festgelegt, die Erwartungen realistisch angepasst und darauf basierend der Therapieplan zusammengestellt.

Insbesondere in der frühen Phase nach der Operation unterstützen die Physiotherapeuten bei den ersten Schritten. Ein gezielter Muskelaufbau und das Wiederherstellen der Beweglichkeit im Hüftgelenk stehen im Vordergrund. Spezialisierte medizinische Masseure lockern die Muskulatur und erreichen durch Lymphdrainagen einen Abtransport von Abbauprodukten sowie eine Verschlankung des Beines.

Ergotherapeuten geben in der Abteilung ADL (Activities of Daily Living = Aktivitäten des täglichen Lebens) Tipps und Anleitungen, wie man seinen Alltag wieder erfolgreich bewältigen kann. Das reicht von optimierten Bewegungsabläufen bis hin zur Beratung zu Hilfsmitteln, die sich für zu Hause als sehr praktisch erweisen. Darüber hinaus steht dort auch ein Therapieauto zur Verfügung, mit dem man zum Beispiel das Ein- und Aussteigen üben kann, ohne das Hüftgelenk zu stark zu beugen. Im Rahmen einer Fahrsimulationen lässt sich außerdem gefahrlos testen, wie es sich wieder hinter dem Steuer anfühlt. Sitze ich angenehm? Ist die Reaktionszeit angemessen? Und habe ich mit der neuen Hüfte die Kraft für eine Vollbremsung?

Im Medical Park Humboltmühle in Berlin liegt direkt neben dem ADL-Bereich gleich die MTT – die medizinische Trainingstherapie. Dank verschiedenster modernster Trainingsgeräte können Patienten hier ihre Muskeln unter Anleitung von Sporttherapeuten ganz individuell aufbauen. Dieses Ziel verfolgen auch die Trainingseinheiten im Schwimmbad. Der Auftrieb im warmen Wasser erleichtert das Bewegen schon enorm, erfahrene Therapeuten unterstützen die Patienten und demostrieren, wie man mit schonenden Bewegungen die Hüfte wieder mobilisiert. Auch Bewegung an der frischen Luft gehört zum Programm: Im Therapiegarten üben Patienten, auf verschiedenen Untergründen zu gehen und Treppen allein zu bewältigen. In einem hochspezialisierten Ganglabor können die Feinheiten des Gangbildes durch die Ärzte analysiert und individuell korrigiert werden.

Obwohl der künstliche Hüftgelenksersatz zu den erfolgreichsten Operationen am Bewegungsapparat gehört, kann es dennoch zu Komplikationen kommen. Im ersten Jahr nach der Hüft-OP kommt es bei etwa 2 Prozent der Patienten zu einer Luxation, bei der das Hüftgelenk aus der Pfanne herausrutscht. Das Risiko einer solchen Luxation lässt sich allerdings mit ein paar Tipps deutlich senken.

WAS SOLLTEN SIE BIS ZU 12 WOCHEN NACH EINER HÜFT-OP VERMEIDEN?

  •  Ruckartige und unkontrollierte Bewegungen der operierten Hüfte
  • Beugung des operierten Hüftgelenks über 90 Grad (d. h. keine Tätigkeiten mit den Händen unterhalb des Kniegelenkes, so z. B. beim Binden der Schuhe oder Anziehen der Strümpfe)
  • Tiefe Sitzposition (z. B. bei niedrigen Sitzmöbeln oder tiefergelegten Autos)
  • Überkreuzen der Beine Kein schweres Heben oder Tragen (max. 10 kg)
5.900

Anzahl der Patienten, denen Medical Park 2018 nach einer Hüft-OP wieder auf die Beine half

NEUSTART MIT NEUER HÜFTE:
WIEDER ZURÜCK NACH HAUSE

WIE SIEHT DAS LEBEN MIT EINER HÜFTGELENKPROTHESE AUS?

„Wenn Patienten einmal drei Wochen intensiv in der Reha trainiert haben, dann empfinden viele Bewegung wieder als etwas sehr Positives. Wir wünschen uns natürlich, dass diese Freude daran auch noch lange anhält“, erklärt Prof. Dreinhöfer. Zu diesem Zweck hat Medical Park ein eigenes Trainingsprogrammheft entwickelt: Aus den darin befindlichen Übungen stellt der Therapeut dann ein Zirkeltraining für den einzelnen Patienten zusammen, das über die folgenden Wochen täglich durchgeführt werden sollte.

Wie schwer es manchmal allerdings sein kann, daheim den inneren Schweinehund zu überwinden, kennen viele aus eigener Erfahrung. An dieser Stelle hilft Routine: Wer sich eine bestimmte Zeit am Tag für das Training reserviert, packt es dann auch eher an. Die beste Zeit dafür ist gleich morgens! So gibt man der berühmten Aufschieberitis erst gar keine Chance.

Während man in der Reha von Therapeuten und Ärzten viel Zuspruch erhält, so muss man sich zurück zu Hause in Sachen Motivation bisher auf sich selbst verlassen. Prof. Dreinhöfer setzt hier auf Mut zur Innovation: „In Kooperation mit verschiedenen Unternehmen arbeiten wir unter anderem gerade an Smartphone-basierten Nachbehandlungsprogrammen. Diese Apps sollen Patienten in Zukunft dabei helfen, ihr Training auch in den eigenen vier Wänden erfolgreich fortzusetzen – inklusive Korrekturen, positivem Feedback und kleinen Erinnerungen, falls man sich doch gern einmal drücken möchte.“ Doch auch ohne digitale Unterstützung ermöglicht eine neue Hüfte wieder viel Freude an vielen Sportarten. Dazu eignen sich insbesondere gelenkschonende Sportarten.

DIE BRINGEN BEWEGUNG REIN:
SANFTE FREIZEITAKTIVITÄTEN

  • Schwimmen
  • Spazierengehen
  • Nordic Walking
  • Crosstrainer im Fitnessstudio
  • Fahrradfahren

Nicht zu empfehlen sind Sportarten, bei denen der Körper starken Stößen, Drehungen oder ruckartigen Bewegungen ausgesetzt wird. Ansonsten steht einem aktiven Lebensstil mit einem künstlichen Hüftgelenk aber nichts im Wege – also runter vom Sofa und wieder rein in das Abenteuer Leben!

Dieser Artikel entstand mit beratender Unterstützung von Prof. Dr. med. Karsten E. Dreinhöfer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Orthopädie im Medical Park Humboldtmühle in Berlin.